VON DER KUNST NACH HAUSE ZU KOMMEN

“It’s a funny thing, coming home. Nothing changes, everything looks the same, feels the same, even smells the same. You realize, what has changed is you“.

Nach einer langen Zeit im Ausland nach Hause zu kommen ist nicht weniger schwer, als weg zu gehen. Letzte Woche noch auf der anderen Seite der Welt in Australien sitzend, war es surreal zu wissen, dass es wieder Richtung Heimat geht, zu allem alt Vertrauten. Es ist wie ein Paralleluniversum, eine zweite Realität – und doch ist es einfach nur ein weiteres Leben im eigenen Leben. Für mich ist es jedes Mal spannend zurück nach Neuseeland zu gehen, wo ich mit 16 ein Austauschjahr gemacht habe, meine „zweite“ Familie zu sehen, meinen Freundeskreis dort zu sehen. Zwei Welten, die aus geografischer Sicht niemals zusammen finden können. Das einzige Bindeglied zwischen beiden – das bin ich.

Oft habe ich mich gefragt, ob das Reisen eine Flucht ist, doch war diese Frage stets schnell beantwortet: für mich war und ist es das nie. Es ist die schiere Neugierde neue Orte und Kulturen zu entdecken, atemberaubende Landschaften bestaunen, viele verschiedene Persönlichkeiten aus aller Welt kennenzulernen, von anderen zu lernen und das Leben als Schule zu erfahren. Das Reisen als Schule.

Nie habe ich mehr gelernt: über mich selbst, über das Leben. Perspektiven wechseln zu können und den eigenen Standpunkt von einer ganz anderen Seite zu betrachten. Es gibt selten ein richtig und falsch – lediglich ein Austausch und die Möglichkeit stets offen und tolerant zu bleiben. So war auch die Weltreise letztes Jahr ein Augenöffner für mich.

Bevor es auf die Reise ging, wollte ich gar nicht mehr weg. Ich war so froh, nach ein ein halb Jahren Studium in Freiburg endlich ein wenig angekommen zu sein. Doch war die Reise letztlich das Beste, was mir passieren konnte, denn ich habe unzählige Ängste ziehen lassen. Ich war stets zu ängstlich viele Dinge auszuprobieren, sei es vor dem Skydiven, in eine Höhle klettern, in der Wildnis campen und und und.

Ja, ich Reisende hatte vor viel zu vielen Erlebnissen falsche Angst und dieser fehlende Mut hat mich oft zurück gehalten. Dadurch habe ich viele Chancen und Erlebnisse verpasst, nur um am Ende frustriert über mich selbst zu sein, denn ich hätte mich doch so gerne getraut.

Doch nicht so letztes Jahr: Jeden Tag und jeden Moment fragte ich mich: „Warum nicht?“. War die Angst unbegründet oder eine Ausrede – dann habe ich es einfach gemacht – und ich bin so stolz! Ich war skydiven in Taupo, bin morgens für den Sonnenaufgang auf einen Vulkan gewandert, habe eine Woche Yoga auf einer einsamen Insel gemacht, war im offenen Meer mit einem Walhai schwimmen, ich habe meine erste Solo-Rucksack-Reise gemacht, bin in Wanaka ein Flugzeug geflogen, war vier Tage in den Bergen Neuseelands wandern – das sind nur einige meiner Highlights.

Die Erlebnisse sind unzählbar und ich fühle mich dadurch so reich. Reich an Erfahrungen, Fremden, die Freunde wurden und Momenten, die mit keinem Geld der Welt vergleichbar sind.

Erst die Reise letztes Jahr hat mich zurück nach Melbourne in Australien geführt. Dort war ich einfach glücklich und hatte das Gefühl bei mir selbst angekommen zu sein. Nicht, weil ich weit weg von Deutschland war, sondern weil ich nach all meinen Reisen endlich wieder länger an einem Ort blieb, der sich fast wie Zuhause anfühlte. Viele denken, reisen sei das ultimative Glück und suchen stets das nächste Ziel, nur um dabei zu vergessen, dass doch das eigentliche Glück genauso im Alltag verborgen liegt.

Schließlich liegt es bei dir selbst. Umso wichtiger ist es, die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen und das positive Gefühl aus dem Ausland einfach an einem anderen Ort der Welt, oder der Heimat, wieder zu finden. Die bekannte Gegend erkunden, kleine Ausflüge in der Region machen und seine Umgebung neu entdecken – Abenteuer passieren nicht ausschließlich auf Reisen. Man muss sie sich nur neu erfinden und mit nach Hause bringen.

Das ist wohl letztlich die eigentliche Kunst.

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